| Kolumne 01
Mathematikjahr 2008
Prof. Dr. Günter Ziegler (TU
Berlin)
MNU Zeitschrift 7/2007
Das Jahr 2008 wird »Mathematikjahr«
in Deutschland, und es wird unser Jahr: Es soll ein
Wissenschaftsjahr werden, das weit mehr als vorangegangene
durch Initiativen, Projekte, Ideen und Aktionen aus
unserer Community geprägt wird. Dabei gilt: Das
Jahr 2008 wird deshalb Mathematikjahr, weil wir das
so wollten, weil wir von der DMV aus zusammen mit MNU,
GDM und GAMM und mit starker Unterstützung der
Deutsche Telekom Stiftung dafür geworben haben.
Im Januar hat das BMBF dann positiv entschieden und
das Jahr verkündet, und wir alle treiben jetzt
die Planung zum Jahr gemeinsam und im Dialog mit vielen
weiteren Partnern und Akteuren aus dem ganzen Land voran.
Aus den vielen Gesprächen und Sitzungen zur Vorbereitung
des Jahres steht noch nicht viel offiziell fest. Aber
das Bild wird langsam konkreter. So kristallisieren
sich aus meiner Sicht vier Spielfelder heraus, auf denen
das Mathematikjahr 2008 stattfinden soll:
(1) Ganz zentral und wichtig ist für
uns alle die Schulkampagne. Deshalb wollen wir Sie noch
in diesem Herbst alle dazu einladen, auch offiziell
aktive Botschafter des Mathematikjahres zu werden. Als
Bestandteil der Schulkampagne wollen wir Wettbewerbe
wie »Känguru« und die Mathematik-Leistungswettbewerbe
unterstützen, einen neuen DMV-Abiturpreis an den
Gymnasien etablieren und allgemein über Mathematikstudium
und -berufe informieren. An dem Konzept für einen
»Mathe-Koffer« für die Schulen mit
zugehörigen Lehrerfortbildungen – eine MNU-Initiative
– wird derzeit intensiv gearbeitet.
Weiter planen DMV und MNU gemeinsam ein Rahmenprojekt
zu verantworten, das die Vernetzung von Schulen und
Hochschulen fördert. Da sind Ideen gefragt, die
den vielerorts abgebrochenen oder eingeschlafenen Dialog
wieder anregen und Foren dafür nachhaltig etablieren.
(2) Durch Großveranstaltungen
wie die Eröffnungsgala am 23. Januar, die Bonner
Wissenschaftsnacht und den Wissenschaftssommer in Leipzig
erhoffen wir uns viel Aufmerksamkeit, die dann auch
den vielen kleinen dezentralen Aktionen und Veranstaltungen
zugute kommt.
(3) Ganz unterschiedliche Ausstellungen
sollen »Mathematik zum Anfassen« bieten:
- Eine Mathematikausstellung geht auf dem Wissenschaftsschiff
auf Fahrt
- Das neue Minimathematikum wird schon diesen November
zum 5-jährigen Jubiläum des Mathematikums
in Gießen eröffnet und geht im Mathematikjahr
ebenfalls auf Reisen
- »Zahlen, bitte!« heißt es ab dem
31. Januar im Nixdorf-Museum Paderborn
- »Mathema – ist Mathematik die Sprache
der Natur?« kommt im Herbst 2008 ins Deutsche
Technikmuseum Berlin
... um nur ein paar große Beispiele zu nennen.
(4) Substanzielle, kompetente und vielfältige
Redaktionsarbeit, in der Inhalte entstehen und aufbereitet
werden, soll – frei nach Enzensberger –
die Zugbrücke zwischen Mathematik und Öffentlichkeit
wieder in Betrieb nehmen.
Jedes dieser Spielfelder eröffnet Möglichkeiten,
lädt ein zum Mitmachen. Dabei steht uns eine substanzielle
finanzielle Basis durch das BMBF und durch die Deutsche
Telekom Stiftung zur Verfügung. Weitere Sponsoren
werden noch gesucht ...
Das Mathematikjahr 2008 soll an allen Universitäten,
allen Volkshochschulen und besonders an allen Schulen
in Deutschland stattfinden – mit Vorträgen,
Wettbewerben, Ausstellungen, Aktionen und vielem mehr.
Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Auch wenn
es (schon abrechnungstechnisch) schwierig ist, die vielen
lokalen Aktionen mit Finanzspritzen zu unterstützen,
so wird jedoch Kampagnenunterstützung immer zur
Verfügung stehen.
In den vielen Gesprächen erfahre ich einen beeindruckenden
Konsens über die Zielrichtung bei der Konzeptionsarbeit
und den Förderungsentscheidungen. Darüber
bin ich sehr glücklich. Wir betonen und fördern
Ideen, Initiativen und Aktionen aus der Community. Es
wird nichts »von oben« aufgedrängt
oder »am grünen Tisch« konzipiert.
Wir versuchen bestehende, erfolgreiche Projekte zu fördern,
auszubauen und ihnen Sichtbarkeit zu verschaffen, anstatt
ihnen im Rahmen des Jahres durch neue Projekte Konkurrenz
zu machen. Wir achten weiterhin auf lokale und regionale
Förderung; Mathematikjahr ist im ganzen Land, nicht
nur in der Hauptstadt.
Nachhaltigkeit ist uns allen wichtig: Es geht nicht
um PR-Strohfeuer, sondern um etwas, das bleibt.
Bei der Gestaltung des Jahres können wir auf die
Profis bauen. Eine Werbeagentur entwirft für uns
das visuelle Konzept des Jahres, wird die Pressearbeit
koordinieren und Großveranstaltungen betreuen.
Das zentrale Ziel des Jahres ist es, ein positives,
attraktives und buntes Bild der Mathematik zu zeichnen
und damit veraltete Vorstellungen zu ersetzen. Wenn
sich die Erkenntnis verbreiten würde, dass Mathematik
eine aktuelle und lebendige Wissenschaft ist, das in
Bewegung ist, so wäre dies ein großer Erfolg.
Und wenn vom Jahr eine Stärkung der Mathematik-Initiativen,
Ausstellungen, Bücher und Materialien übrig
bleibt, die alle auch 2009 noch von Interesse sind,
dann haben wir gewonnen. Auch 2009 soll Mathematikjahr
sein.
Dafür engagiere ich mich. Machen Sie mit!
Prof. Dr. Günter M. Ziegler
Koordinator, Mathematikjahr 2008
Präsident der DMV (2006 - 2008) |