MNU Logo DIE MATHEKOLUMNE // Das Wissenschaftsjahr 2008 - Jahr der Mathematik
JdM 2008
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Wir müssen die Herzen der Schüler gewinnen

Dr. Klaus Kinkel
Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung
MNU Zeitschrift 3/2008


Mathematik polarisiert. Studien belegen: Sie hat mindestens so viele Freunde wie Feinde. Dabei prägt in der Regel das in der Schule erworbene Bild von Mathematik die Einstellung zu dieser bedeutenden Wissenschaft für den Rest des Lebens.

Wer Mathematik in der Schule nicht mochte, wird später nur schwerlich Zugang zu ihr finden. Wer sich aber schon in jungen Jahren für mathematische Fragestellungen und Phänomene interessiert und sogar begeistern lässt, erwirbt wichtige Kompetenzen für die weitere Bildungsentwicklung und für die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Denn: Ohne Mathematik läuft nichts im Leben.

Die Einstellung zur Mathematik steht und fällt also mit dem Schulunterricht. Alltagsorientierung ist dabei ein Schlüsselbegriff. Nur wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, wie viel Mathematik mit ihrem Alltag zu tun hat und wie wichtig mathematische Bildung für die Berufs- und Studienwahl ist, werden sie eine positive Einstellung zur Mathematik entwickeln. Es gilt also, die vielfach als zu trocken und zu abstrakt empfundene Mathematik mit Leben zu füllen und so das Interesse und die Herzen der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Wer weiß das besser als die Lehrerinnen und Lehrer? Sie als die Vermittler mathematischer Bildung müssen Freude am Umgang mit Mathematik bereiten. Dazu gehört es, Vorbehalte auszuräumen, wissenschaftliche Erkenntnisse anschaulich darzustellen und zum aktiven Erforschen mathematischer Zusammenhänge anzuregen. Eine sehr schöne, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe, bei der die Deutsche Telekom Stiftung die Lehrkräfte vielseitig unterstützt.

Als im Jahr 2003 klar war, dass die neue Stiftung sich im Kern mit der Verbesserung des Bildungssystems beschäftigen würde, haben wir mit vielen Experten darüber nachgedacht, an welchen Stellen des Systems Handlungsbedarf besteht und wo eine Stiftung sinnvoll wirken kann. Sehr schnell haben sich die Mathematik und vor allem der Mathematikunterricht als große Baustellen unseres Bildungssystems herauskristallisiert. Nach über vier Jahren Stiftungsarbeit setzen wir heute unterschiedliche Hebel an, um hier Verbesserungen zu erreichen. Wir kümmern uns mit den Professoren Albrecht Beutelspacher und Rainer Danckwerts an den Universitäten Gießen und Siegen um Verbesserungen in der didaktischen Ausbildung künftiger Gymnasiallehrer. In Bremen und Dortmund unterstützen wir die Professoren Heinz-Otto Peitgen und Christoph Selter bei innovativen Ansätzen zur Neuorientierung der Primarlehrerausbildung. Bei der Fortbildung verzeichnen wir mit den praxisorientierten Angeboten unseres Projekts „Mathematik Anders Machen“ große Erfolge. Hier sind die Professoren Jürg Kramer (Humboldt-Universität Berlin) und Günter Törner (Universität Duisburg-Essen) engagiert unterwegs.

Alle genannten Projekte und weitere Aktivitäten rund um das Thema Mathematik haben uns gezeigt: Die Nachfrage nach Unterstützung ist einerseits immens groß. Andererseits gibt es praktisch keine Lobby für die Wissenschaft und für das Schulfach Mathematik. Um hier Abhilfe zu schaffen, haben wir uns entschlossen, das Jahr der Mathematik mit knapp zwei Millionen Euro zu unterstützen. Ziel dieses Engagements ist es, das Renommee der Mathematik spürbar zu verbessern. Vor allem aber wollen wir die Mathematik über 2008 hinaus stärken.

Wegen unserer bestehenden und erfolgreichen Aktivitäten in der Aus- und Fortbildung von Mathematiklehrerinnen und -lehrern übernehmen wir im Jahr der Mathematik die gezielte Ansprache der Schulen. Unser erklärtes Ziel ist es, das Wissenschaftsjahr in alle deutschen Schulen hineinzutragen. Wir möchten zum Beispiel, dass sich Lehrer, aber auch Schüler und interessierte Eltern an der Aktion „Mathemacher“ beteiligen. Mehr als 300 dieser „Sonderbotschafter“ sind bundesweit bereits aktiv und stellen zum Jahr der Mathematik besondere Projekte oder Aktionen auf die Beine. Jede Schule muss in diesem Jahr einen „Botschafter“ haben, dem Anleitungen für denkbare Veranstaltungen an die Hand gegeben werden. Darüber hinaus unterstützen wir Professor Wolfgang Lück aus Münster, der ein Netz aus Schulen und Hochschulen knüpfen will, um hier fruchtbare Kooperationen zu ermöglichen. Das Ziel: Die Einrichtungen sollen sich besser kennen lernen, enger zusammenarbeiten und vernetzt an der besseren Unterstützung der Mathematik arbeiten.

Ein ganz wichtiger Punkt der Stiftungsaktivitäten im Jahr der Mathematik ist der Mathekoffer für weiterführende Schulen. Die Idee zu diesem Projekt kam von den Lehrkräften selbst: Dem Förderverein MNU ist es zu verdanken, dass diese Anregung jetzt in ein konkretes Produkt umgesetzt wird. Unsere finanzielle Unterstützung ermöglicht die Herstellung des Koffers zu einem für die Schulen besonders günstigen Preis. Zusätzliches Plus, das wir als Stiftung bieten, sind die kostenlosen Fortbildungen über „Mathematik Anders Machen“. Von der Unterstützung der Sonderauflage des Mathekoffers und den Fortbildungen erhoffen wir uns eine Art „Schneeballeffekt“: Wenn Lehrerinnen und Lehrer ihre positiven Erfahrungen mit der Materialsammlung weitergeben, wird der Mathekoffer nicht nur größtmögliche Verbreitung finden, sondern auch dazu beitragen, dass Mathematik bei den Schülerinnen und Schülern mit positiven, praktischen Erlebnissen verbunden ist.

Wenn wir das erreichen, wird das Jahr der Mathematik auch über den 31. Dezember 2008 hinaus Wirkung zeigen - dafür werden wir uns als Deutsche Telekom Stiftung mit aller Kraft einsetzen.


Dr. Klaus Kinkel
Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung

 
 
Dr. Klaus Kinkel
Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung
 
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DER MATHEKOFFER ist ein Gemeinschaftsprojekt im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2008 Jahr der Mathematik